Mediation - Ein häufig missverstandenes Verfahren

Eine Bekannte erzählte mir vor nicht allzu langer Zeit, dass sie im Rahmen eines Erbstreits an einer Mediation teilgenommen habe. Während der Sitzung kam es unter den Beteiligten zu teils heftigen Auseinandersetzungen. Der Mediator begegnete der Eskalation mit den Worten: "Ihr müsst euch alle lieb haben." Raten Sie mal, ob diese Mediation fortgesetzt wurde...

Nun sind mir derlei Geschichten nicht zum ersten Mal zu Ohren gekommen und leider rücken solche Vorkommnisse die Mediation in ein schlechtes Licht. Zu Unrecht, wie ich finde. Es ist mir deshalb ein Herzensanliegen, mit einigen Vorurteilen und Missverständnissen aufzuräumen.

Häufig ist zu hören:

"Mediatoren machen Lösungsvorschläge."

Es gibt (in Deutschland eher selten anzutreffende) Mediationsstile, die dazu ermutigen. Vertreter des "directive style" etwa geben Handlunsanweisungen und übernehmen inhaltliche Verantwortung. Bei der transformativen Mediation würde eine solche Handlungsweise jedoch die verwandelnde Kraft des Verfahrens torpedieren.

"Mediation ist das gleiche wie Schlichtung."

Auch das ist nur bedingt richtig. Schlichtung und Mediation haben gemein, dass es zu einer verbindlichen Entscheidung nur mit Zustimmung aller beteiligten Parteien kommt. Jedoch machen Schlichter auch Lösungsvorschläge. Mediatoren hingegen wirken auf eine Entscheidung zwischen den Konfliktbeteiligten hin.

"Mediatoren ergreifen Partei."  

Genau das tun sie nicht. Zu den Grundsätzen eines Mediators gehört die sogenannte Allparteilichkeit. Das ist mehr noch als neutral oder unparteilich. Allparteilich bedeutet, dass der Mediator sich bemüht, die Konflikthintergründe und die Sichtweisen aller Medianden tiefgreifender zu verstehen als es ein "Neutraler" tun würde. Voraussetzung dafür ist die empathische Interaktion.

"Eine Mediation führt garantiert zu einer einvernehmlichen Lösung."

Eine derartige Garantie kann ein Mediator nicht abgeben. Dafür sind wir alle zu sehr Mensch. Einmal ist es der Mediator selbst, an dem das Verfahren scheitert (siehe obiges Beispiel), ein andermal die Konfliktparteien, die partout kein Interesse an einer Einigung zeigen. Und dennoch: Mediationen haben eine außerordentlich hohe Erfolgsquote!

"Mediatoren müssen Juristen sein."

Es gibt zwar unter Juristen viele Mediatoren, doch in der Mediation geht es eben nicht um die Durchsetzung von Recht bzw. darum, dass eine Partei gewinnt und die andere unterliegt. Das Verfahren ist zudem so ausgelegt, dass der Mediator keine juristische Vorbildung benötigt. Sollten allerdings die Konfliktparteien während der Mediation Rechtsbeistand wünschen, spricht nichts gegen die Anwesenheit ihrer Anwälte.

"Mediation hat etwas mit Esoterik zu tun."

Ein klares Nein. Fakt ist, dass ein hohes Maß an Empathie gefragt ist, um auf die Anliegen und Bedürfnisse der Medianden eingehen zu können. Im Verlauf einer Mediation kommt es auch oftmals zu erhellenden Aha-Erlebnissen. Das hat jedoch nichts mit religiöser oder spiritueller Einflussnahme zu tun, sondern mit tief menschlichem Erkenntnisgewinn.

"Mediation ist teuer."

Das kommt auf die Betrachtungsweise an. Der Schaden, den ein ungelöster Konflikt anrichten kann, sowohl emotional als auch finanziell, ist in aller Regel sehr viel höher. Im Unterschied zu einem psychisch belastenden, kostenintensiven und langwierigen Gerichtsprozess ist eine Mediation ein günstiges Verfahren und führt sehr viel schneller zum Erfolg. Und nicht vergessen: Die Mediation strebt kein Urteil an, sondern eine für alle Seiten gewinnbringende und die Zukunft gestaltende Lösung.
(Weitere Informationen finden Sie hier)
 

  

Sind Sie Mediator/in? Oder Mediations-erfahren? Sind Ihnen ähnliche Missverständnisse bekannt? Schreiben Sie mir oder nutzen Sie die Kommentarfunktion, ich bin gespannt...

   

 

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